Naturschutz und Förderung neuer Arten

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Interview mit  Prof. Dr. Romain Glèlè Kakaï, Vorsitzender des African-German Network of Excellence in Science (AGNES)
 
Die Arbeit junger, begabter Wissenschaftler in Subsahara-Afrika mit Forschungsstipendien fördern – das motiviert Prof. Dr. Romain Glèlè Kakaï tagtäglich. Der erfahrene Professor aus Benin ist zugleich Vorsitzender des African-German Network of Excellence in Science (AGNES). „Unser Ziel ist es, die vielen begabten Wissenschaftler auf dem afrikanischen Kontinent zu halten und ihnen die Möglichkeit zu geben, etwas Sinnvolles für ihr Umfeld zu tun“, erklärt er in einem Interview mit der Bayer Foundation.
 
Im Rahmen der von 2021 bis 2027 laufenden Kooperation wird die Bayer Foundation über AGNES mehr als 30 Stipendien an afrikanische Doktoranden für Feldstudien zum Erhalt der Biodiversität und zu einer nachhaltigen Landwirtschaft vergeben. Die Kooperation der Bayer Foundation mit AGNES ist Teil eines größeren Programms mit der Alexander-von-Humboldt-Stiftung.

 

 

 

 

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Prof. Dr. Romain Glèlè Kakaï, Vorsitzender des African-German Network of Excellence in Science (AGNES)

 

 

Interview

 

Können Sie uns etwas mehr über AGNES erzählen?


„AGNES wurde 2011 gegründet und fördert die Ausbildung junger Forscher und Wissenschaftler in Subsahara-Afrika. Als Netzwerkorganisation binden wir Wissenschaftler in das Netzwerk der Alexander-von-Humboldt-Stiftung ein. Das Büro von AGNES befindet sich im westafrikanischen Benin. Als Vorsitzender unterstütze ich die Förderung der akademischen Exzellenz in der Forschung und Hochschullehre, nicht nur in Westafrika, sondern in ganz Subsahara-Afrika. Wir fördern zudem den regionalen akademischen Austausch zwischen afrikanischen Wissenschaftlern und deutschen Forschern. Rund 250 Stipendiaten aus allen Teilen Subsahara-Afrikas, darunter etwa 100 Wissenschaftlerinnen, wurden von uns bisher unterstützt.
 
Mit unseren Stipendien helfen wir Doktoranden und Postdoktoranden, mit wissenschaftlichen Studien nach Lösungen für Entwicklungsprobleme zu suchen. Die Studierenden kommen aus den unterschiedlichsten Fachbereichen. Sie befassen sich unter anderem mit Naturschutz, nachhaltiger Landwirtschaft, Informatik, Mathematik, Klimawandel und vielen anderen Themen. Ein gemeinsames Merkmal vieler Studierender ist die Arbeit an Forschungsprojekten, die ihrer Heimat zugutekommen.

 


Welchen persönlichen Hintergrund haben Sie und wie kamen Sie zu AGNES?


„Neben meiner Tätigkeit als Vorsitzender von AGNES bin ich zudem Professor für Biostatistik und Forstschätzung sowie Leiter des Laboratoire de Biomathématiques et d’Estimations Forestières der Agrarwissenschaftlichen Fakultät der Universität Abomey-Calavi, Benin. Zurzeit forsche ich hauptsächlich zu Modellen für Infektionskrankheiten und zur Ökologie und Wiederherstellung des Ökosystems Mangrove.


Zur Alexander-von-Humboldt-Stiftung kam ich 2007. Ich habe mich für ein Humboldt-Forschungsstipendium beworben, um als Postdoktorand in Deutschland zu arbeiten. Daraufhin habe ich 6 Monate an der Universität Freiburg verbracht. Ich habe die Zeit dort wirklich sehr genossen. Es war alles sehr spannend für mich. Freiburg ist eine wunderschöne Stadt und ich habe dort viele Freunde gefunden. Beeindruckend fand ich, dass sich Mitarbeiter verschiedener Fachbereiche einmal die Woche getroffen haben, um die Arbeitsplanung zu besprechen. Und in den Kaffeepausen haben sich die Leute informell über verschiedene Themen ausgetauscht. Diese wertvollen Erfahrungen habe ich nach Benin mitgenommen.“  

 


Im Rahmen der von 2021 bis 2027 laufenden Kooperation werden AGNES und die Bayer Foundation Stipendien an Doktoranden für Feldstudien zum Erhalt der Biodiversität und zu einer nachhaltigen Landwirtschaft in Subsahara-Afrika vergeben. Warum ist das nötig?


„Der Klimawandel wirkt sich überall auf dem Kontinent negativ auf die Ernten aus. Die Landwirte brauchen eine immer größere Anbaufläche. Deshalb werden Wälder abgeholzt, sodass die Biodiversität sehr schnell abnimmt. Gleichzeitig erleben wir ein rasantes Bevölkerungswachstum. Die Versorgung nachfolgender Generationen mit Nahrung ist demzufolge eine enorme Herausforderung.
 
Wir müssen dafür sorgen, dass der Schutz der Biodiversität und eine nachhaltige Landwirtschaft Hand in Hand gehen. Dies ist Teil der Lösung. Es gibt immer noch viele unbekannte Obst- und Gemüsesorten in der Natur. Das Erbgut dieser Pflanzen (Sorghum, Hirse, Wildpfeffer etc.) und Bäume (Schwarze Pflaume, Afrikanischer Affenbrotbaum etc.) sollte genauer studiert werden. Wir brauchen Antworten auf folgende Fragen: Welche Sorten sind besonders widerstandsfähig gegen Trockenheit? Wie können wir diese Sorten in großem Maßstab produzieren? Und wie können wir Produkte dieser Sorten mithilfe neuer Erkenntnisse auf dem Gebiet der Nahrungsmitteltechnologie effizient verarbeiten. Und die womöglich wichtigste Frage: Wie vermitteln wir den Menschen die ökologischen und gesundheitlichen Vorteile, damit sie diese Sorten besser schützen können? Dies sind nur einige Forschungsfragen, mit denen sich die jungen Wissenschaftler, die wir fördern, beschäftigen.“
 


Welche Rolle sollte AGNES Ihrer Meinung nach in Zukunft spielen?


„Die meisten jungen, talentierten Akademiker werden den Kontinent irgendwann verlassen, weil sie an den Hochschulen und Forschungszentren ihres Landes keine lohnende Arbeit finden. Wir müssen meiner Ansicht nach dafür sorgen, dass die Bedeutung der Wissenschaft auf höchster Ebene gewürdigt wird. Nur so schaffen wir sinnvolle Arbeitsplätze in der Wissenschaft. Eine Möglichkeit, um dieses Ziel zu erreichen, besteht darin, mit unseren Erkenntnissen aktiv an die Entscheider in unseren Ländern heranzutreten. Ich hoffe, dass AGNES als Lobbyorganisation so stark wird, dass wir in jedem Land des subsaharischen Afrikas Einfluss auf die Politik nehmen können. Das können wir erreichen, indem wir dafür sorgen, dass unsere Erkenntnisse in den allerhöchsten Kreisen unserer Gesellschaft wahrgenommen und genutzt werden. Auf diese Weise fördern wir eine wissenschaftsbasierte Politik der Entscheider.“

 

 

 

Interview: Christien van den Brink

Bildnachweis: Christien van den Brink (Titelbild) and AGNES (Portrait)

 

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