Kinder unterrichten, Eltern unterstützen

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Kinder unterrichten, Eltern unterstützen
Bayer Foundation baut eine Grundschule in der Elfenbeinküste wieder auf

 

Die Bayer Foundation hat 200.000 Euro gespendet, um eine Grundschule im Dorf Nzikpli Sessekro, einer kleinen Gemeinde im mittleren Teil der Elfenbeinküste, wiederaufzubauen. Welchen Zusammenhang gibt es zwischen dem Aufbau einer Schule in Westafrika und dem Ziel der Bayer Foundation, Unternehmer zu unterstützen, die im Bereich Gesundheit und Ernährung einen Wandel in der afrikanischen Bevölkerung vorantreiben?

 

„Wir möchten eine langfristige Beziehung zu den Gemeinden aufbauen, in denen wir arbeiten. Dabei geht es nicht nur um Bildung, sondern auch um Gesundheit und Ernährung sowie um die wirtschaftliche Entwicklung aller Mitglieder der Gemeinde“, erläutert Monika Lessl, Leiterin der Bayer-Stiftungen. „Indem wir den Eltern ermöglichen, ihre Kinder zur Schule zu schicken, können sie sich auf ihre wirtschaftlichen Aktivitäten konzentrieren. Dadurch sorgen sie für gesundes Essen auf dem Teller, können ihre Gesundheitskosten stemmen und müssen sich keine Sorgen mehr über die Entwicklung ihrer Kinder machen.“

 

 

Bildung


Durch die Modernisierung der Grundschule hat die Bayer Foundation begonnen, zum Dorf Nzikpli Sessekro eine Beziehung aufzubauen. Und nach Monaten harter Arbeit durch die Schreiner, Maurer, Klempner und Maler der Gemeinde ist das Dorf nun bereit, die offiziellen Gäste zu empfangen, die an der Eröffnungszeremonie der neuen Schule teilnehmen.

 

 

 

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Oliver Gierlichs, Bayer-Geschäftsführer für West- und Zentralafrika, und sein Team erkannten diese Chance und starteten das Projekt gemeinsam mit der Bayer Foundation. Das war nach einem ersten Aufenthalt in dem Dorf im Juni 2019. Kurz nach diesem Besuch spendete die Bayer Foundation 200.000 Euro, um die Grundschule der Gemeinde komplett umzubauen. Jetzt verfügt die Schule statt über vier Klassenzimmer über 12 Räume für die Grundschüler, die allesamt mit Tafeln und Bänken ausgestattet sind. Außerdem hat die Schule drei neue Vorschulkassen eröffnet. Zusätzlich zur Sanierung der vier alten Klassenräume und dem Neubau der acht zusätzlichen Klassenzimmer finanzierte die Bayer Foundation einen Multimedia-Raum, eine Mensa, Toiletten, einen Außenbereich zum Spielen, Unterkünfte für die Lehrer und einen Zaun um das Gelände, um die Ziegen und Hühner des Dorfs fernzuhalten.

 

Bron Bertin Bouassi, hochrangiger Richter in Sisokko , kann seine Emotionen nicht verbergen, wenn er danach gefragt wird, was dieses Schulprojekt für ihn bedeutet: „Als diese Schule 1967 eröffnete, war ich der erste Schüler im Dorf. Bildung hat mir alles ermöglicht. Dank meiner Ausbildung konnte ich Abschlüsse und Praktika machen und reisen. Dank meiner Ausbildung bin ich nun Richter, was ich nie erwartet hätte“, erzählt er, während der den Schreinern zusieht, die bei den Schulbänken letzte Hand anlegen.  

 

„Die Bayer Foundation hat diesem Dorf ein Geschenk gemacht. Die Schule wird diesen Kindern ermöglichen, was sie mir ermöglicht hat, und noch viel mehr dank all dieser neuen Einrichtungen. Die Lehrer haben nun sogar eigene Unterkünfte, sodass wir auch von weither die besten Kräfte rekrutieren können“, fügt er hinzu.

 

 

 

 

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Christine Adioumani Clouis, Mutter von zehn Kindern und Großmutter von vielen weiteren, jetzt in ihren Fünfzigern, hatte nicht so viel Glück wie Bouassi. Obwohl sie und ihre erweiterte Familie immer direkt neben der Schule wohnten, hat sie die Einrichtung nie besucht. „Mein Vater entschied das so“, sagt sie, während sie den Mais begutachtet, der in ihrer Küche im Freien zum Trocknen hängt. „Das hat mir immer wehgetan. Als Kind wartete ich immer vor dem Gebäude auf meine Freunde, die zur Schule gingen.

 

"Ich bin erleichtert, dass alle meine Enkelkinder jetzt die Schule besuchen. Ich liebe die neue Schule. Die wichtigste Neuerung ist für mich die Unterbringung der Lehrer. Zuvor tauchten die Lehrer häufig nicht auf, weil der Weg einfach zu weit war. Jetzt können sie in dem Haus, das für sie gebaut wurde, übernachten.“

 

 

 

 

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Wirtschaftliche Entwicklung


Die zweite Säule für eine langfristige Partnerhschaft mit der Gemeinde besteht darin, die Eltern der Kinder, überwiegend Kleinbauern, die viele Stunden auf ihren Feldern rund um das Dorf arbeiten, zu unterstützen.

 

Oliver Gierlichs, Bayer-Geschäftsführer für West- und Zentralafrika , sagt dazu: „Wir stellen uns eine langfristige Beziehung zu der Gemeinde vor, bei der es nicht nur um Bildung, sondern auch um Gesundheitsfragen un die wirtschaftliche Entwicklung der Mitglieder der Gemeinde geht. Deswegen werden im Rahmen dieses Projekts auch Kleinbauern der Gemeinde unterstützt, die sich jetzt in einer Kooperative organisiert haben. Durch dieses Projekte bringen wir sie mit externen Käufern zusammen, damit sie sich neue Märkte erschließen können.“

N’guessan Téklé, Landwirt und Vorsitzender der Kooperative, erzählt bei einem Besuch, den er auf seinem Motorrad seiner Plantage abstattet, auf der er Kakaobohnen, Cashewnüsse und Süßkartoffeln anbaut, mit welchen Schwierigkeiten Kleinbauern in Westafrika zu kämpfen haben.

 

„Die Bauern des Dorfes waren in keinster Weise organisiert“, erklärt er, während er eine Kakaobohne begutachtet, die nocht nicht reif genug ist, um gepflückt zu werden. „Wenn jemand ins Dorf kam, um etwas zu kaufen, verhandelte er die Preise mit den einzelnen Bauern, wodurch wir nur wenig Verhandlungsmacht hatten. Vor einem Jahr beschlossen wir, uns in einer Kooperative zusammenzuschließen. Als Gemeinschaft können wir unsere gebündelte Stärke dazu nutzen, bessere Preise auszuhandeln.“  

 

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Die Bayer Foundation unterstützt die Landwirte dabei, neue Sorten anzubauen und Käufer zu finden. „Eine Diversifizierung des Einkommens ist dringend nötig, vor allem seit Covid-19 sich auf das Dorf und die wirtschaftlichen Aktivitäten ausgewirkt hat. Wir standen bereits in Kontakt zu potenziellen Käufern, die die 120 Tonnen Cashewnüsse, die wir produziert haben, kaufen wollten. Doch aufgrund der Pandemie wurde dieser internationale Käufer involvent und wir mussten die Ware zu einem viel geringeren Preis an die Regierung verkaufen“, erzählt Téklé.

 

Health for All


Und drittens hat die Bayer Foundation über das Gesundheitszentrum im Dorf neue Gesundheitsdienstleistungen ermöglicht. Diese Klinik ist nur einen Katzensprung von der Schule entfernt, liegt direkt neben dem zentralen Platz des Dorfes, und es ist immer viel los. Heute, einen Tag vor der feierlichen Eröffnung  der Schule, ist eine Mutter mit ihrer vierjährigen Tochter gekommen, die Fieber hat. Jacques Yao Koukon vom Gesundheitszentrum in Nzikpli Sessekro stellt seine Diagnose nach einer Blutuntersuchung: „Es ist Malaria.“

 

Nachdem er seine kleine Patientin sorgfältig untersucht und verabschiedet hat, erläutert er, wie wichtig dieses Gesundheitszentrum für die Dorfbewohner ist.  „Bevor wir das Zentrum hatten, mussten die Menschen lange Wege zurücklegen, um untersucht zu werden.”

 

Laut Koulon sollten Bildung und Gesundheit immer Hand in Hand gehen. Der Wiederaufbau der Schule bietet auch Chancen für eine engere Zusammenarbeit mit dem Gesundheitszentrum. „Wir möchten beispielsweise mehr Hygieneaufklärung für junge Mädchen anbieten, weil es ihnen helfen wird, weiterhin zur Schule zu gehen. Wenn nicht genügend Optionen für die Monatshygiene zur Verfügung stehen, verpassen viele Mädchen jeden Monat eine Woche Schule oder brechen die Schule komplett ab.“

Die Bayer Foundation hat die Cup Foundation ins Spiel gebracht, eine Organisation, die benachteiligten Mädchen in aller Welt eine Chance gibt, indem sie sie mit Menstruationstassen ausstattet und umfassende Aufklärung zu Sexualität und selbstbestimmter Fortpflanzung leistet. „Der Vorteil der Tasse liegt darin, dass sie viel billiger ist als Binden. Außerdem wollen wir über die Schule und das Gesundheitszentrum Mädchen über Menstruationshygiene aufklären “,  erklärt Koukon.

 

Hunger For None


Und schließlich wurde hinter den zentralen Klassenräumen in der Nähe des Schulhofs und der neu installierten Wasserpumpe von der Bayer Foundation ein Gewächshaus und eine Hühnerfarm mit 500 Hühnern angelegt. „Die Hälfte der Hühner werden gehalten, damit sie Nahrungsmittel für die Mensa der Schule erzeugen. Die andere Hälfte wird verkauft, damit die Schule über Einkommen verfügt und ihre finanzielle Nachhaltigkeit sichern kann“ , erläutert Geflügelzüchter Adioumani Clouis-Anderson und fügt hinzu: „Dank dieses Hühnerstalls  können wir den Kindern jetzt beibringen, wie man Hühner hält.“

 

Monika Lessl, Geschäftsführerin der Bayer-Stiftungen , erklärt: „Die Bayer Foundation hat es sich zum Ziel gesetzt, Wissenschaft und soziale Innovation voranzubringen – für eine Welt getreu unserer Vision ‚Health for All and Hunger for None‘. Dieses Pilotprojekt bringt beide Bereiche zusammen. Sollte es erfolgreich sein, können wir es hoffentlich mit der Unterstützung lokaler und nationaler Behörden auf andere Dörfer ausweiten.“

 

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Eröffnungszeremonie

 

Samstag, 29. August. Die Dorfbewohner haben lange auf diesen Tag gewartet. Der Dorfplatz füllt sich schnell mit Kindern, Tänzern und Musikern, Eltern, offiziellen Vertretern und anderen Gästen. Sie alle sind heute bekommen, um die Eröffnung der neuen Schule zu feiern und den Rednern zu lauschen. Dazu gehören auch der Bürgermeister von Didievi und Brice Kouassi, Minister für technische und berufliche Ausbildung, sowie der deutsche Botschafter in der Elfenbeinküste Ingo Herbert. „Diese Initiative wird sicherlich andere Unternehmen, die in der Elfenbeinküste aktiv sind, zu neuen Initiativen inspirieren. Als Botschafter verspreche ich, dass meine Türen immer offenstehen, um solche Initiativen zwischen deutschen Unternehmen und der Elfenbeinküste zu fördern“, sagt Herbert und fügt hinzu: „An alle Kinder, die heute hier sind, habe ich eine Botschaft. Ich hoffe, dass ihr aus dieser wunderschönen Schule großen Nutzen ziehen werdet, indem ihr lernt, euch über das Multimediazentrum der Welt öffnet und in eurer Gegend und eurem Land Veränderungen vorantreibt.“  

 

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Bildnachweis: Christien van den Brink

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