Masterstudenten und soziale Unternehmer zusammenbringen

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Im September werden  die Bayer Foundation und die Social Impact Start-up Academy (SISTAC) die fünfte Runde ihres Aktionslernprogramms einläuten. Dabei handelt es sich um ein akademisches Projekt, das Master-Studenten mit sozialen Unternehmern aus dem aufstrebenden Afrika südlich der Sahara zusammenbringt.

 

Das SISTAC-Programm verfolgt ein Win-Win-Konzept: Master-Studenten aus Deutschland bekommen die Chance, zur Lösung tatsächlich existierender sozialer Probleme beizutragen. Startup-Gründer aus Subsahara-Afrika, die sich Herausforderungen in den Bereichen Gesundheit und Ernährung widmen, erhalten relevantes Business-Knowhow, das sie dazu in die Lage versetzt, die Wirkung ihrer sozialen Innovationen zu steigern und die Lebensbedingungen der benachteiligten Bevölkerung in der jeweiligen Region zu verbessern. Dieses praktische Lernformat ist ein fester Bestandteil des Master-Studiengangs Betriebswirtschaftslehre Entrepreneurship und Innovation  an der WFI Ingolstadt School of Management.

 

Und so funktioniert es: Die sozialen Unternehmer und die Studenten nehmen an einem viertägigen Boot Camp teil, um die Grundlage für eine zwölfmonatige Zusammenarbeit zu legen, im Rahmen derer sie an der Herausforderung arbeiten, das Geschäftsmodell des Startups im großen Stil aufzuziehen. Auf diese Art und Weise können sich die Master-Studenten in einen spannenden Business Case einarbeiten und Lösungen für tatsächliche Probleme entwickeln, anstatt Herausforderungen im Elfenbeinturm zu lösen, nur um die erforderlichen Studiennachweise zu erbringen. Die Startups profitieren hingegen von qualifizierter und professioneller Beratung auf Pro-Bono-Basis.

 

Die Verbindung Bayer-Ingolstadt


SISTAC wurde gemeinsam von der Bayer Foundation und Prof. Dr. André Habisch, der an der Ingolstadt School of Management in dem Studiengang unterrichtet, entwickelt. Es wurde 2018 gestartet und wird hauptsächlich über die Bayer Foundation finanziert. Das Programm findet alle zwei Jahre statt und unterstützt die Nachhaltigkeitsbemühungen von Bayer, die zur Erreichung der UN-Nachhaltigkeitsziele 2 (kein Hunger) und 3 (Gesundheit und Wohlbefinden) beitragen. Die SISTAC-Methode basiert auf dem Buch „The Prosperity Paradox“ von Clayton Christinsen, das einen neuen Rahmen für wirtschaftliches Wachstum auf Grundlage von Unternehmertum und marktschaffender Innovation aufstellt. Langfristiges Ziel ist es, SISTAC in der Betriebswirtschaftslehre im globalen Süden zu verankern, um einen systematischen Gesinnungswandel zu bewirken und zukünftige Führungskräfte dazu zu bringen, das Potenzial für wirtschaftliche und soziale Veränderungen, das von innovativen Unternehmern vor Ort ausgeht, zu erkennen.  

 

 

Software-Unternehmer und Grants4Impact-Gewinner Raindolf Owusu aus Ghana nahm 2018 an der allerersten Runde des Aktionslernprogramms von SISTAC teil. In einem Interview spricht er über seine Erfahrungen mit SISTAC, die Entwicklung seines Gesundheitsprojekts und seine Ambition, das „Amazon für Arzneimittel“ in Westafrika zu werden.

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„Bisa“ – mobile Gesundheit

Westafrikas Pioniere in der Telemedizin

Software-Ingenieur Raindolf Owusu nennt seinen mobilen Gesundheitsdienst „Bisa“, was in der ghanaischen Sprache Twi „fragen“ bedeutet. Mit der Unterstützung der Bayer Foundation und Master-Studenten der Ingolstadt School of Management konnte er seine Plattform „Frag deinen Arzt online“ auf den Senegal ausweiten.

 

Herr Owusu, wie kamen Sie auf die Idee des Bisa-Projekts?


Die Idee wurde 2014 während eines Ebola-Ausbruchs geboren. Über 11.000 Menschen starben während dieser Krise, weil der Mangel an Informationen es den Ärzten unmöglich machte, die Ausbreitung der Krankheit zu stoppen. Ich habe mich dann tiefgehender mit dem Thema beschäftigt und herausgefunden, dass viele junge Menschen in Afrika zögern, einen Arzt aufzusuchen, wenn es um intime Angelegenheiten wie Geschlechtskrankheiten oder Verhütung geht. Deswegen beschloss ich, eine App zu entwickeln, die dabei hilft, Krankheiten zu verhindern und in den Griff zu kriegen, und die Menschen mit Ärzten in Kontakt bringt.

 

Wie funktioniert die Bisa-App?


Es ist ganz einfach. Man lädt sie herunter und stellt eine Frage. Einer unserer Ärzte wird sich dann um die Anfrage kümmern und eine Antwort senden. 40 Ärzte sind an unsere Plattform angeschlossen und kommunizieren regelmäßig miteinander, sodass die Menschen von ihrem gebündelten, medizinischen Wissen profitieren können.
 
2018 nahm Ihr Bisa-Projekt an dem Aktionslernprogramm von SISTAC teil, das von der Bayer Foundation und der Ingolstadt School of Management organisiert wird. Welche Unterstützung erhielten Sie dadurch?


Zu dieser Zeit war unser Dienst in Ghana bereits verfügbar. Die Studenten halfen uns dabei, einen Geschäftsplan, eine Marketingstrategie und eine Machbarkeitsstudie für die Ausweitung des Dienstes zu erstellen. Ihr Wissen über Prozesse war von unschätzbarem Wert! Startups handeln schnell und intuitiv, aber diese Studenten konzentrieren sich auf datenbasierte Entscheidungen. Wir hätten es uns niemals leisten können, eine solch professionelle Beratung am Markt einzukaufen.  
 
Wie ging es nach dem Boot Camp weiter?


2019 haben wir den Dienst mit einem Partner weiter ausgebaut: Zusammen mit der deutschen You Foundation, die sich um die Ausbildung bedürftiger Kinder kümmert, haben wir Bisa in den Senegal gebracht und unseren französischen Hauptsitz in der Hauptstadt Dakar eröffnet. Außerdem haben die Studenten aus Ingolstadt ein Video produziert, mit dem wir Medizinstudenten und pensionierte Ärzte aus dem Ausland dazu ermutigen wollen, der Plattform beizutreten. Aktuell ist allerdings Covid-19 das dringendere Thema. Es gibt da draußen viele Fehlinformationen, und wir nutzen Bisa aktuell, um die Öffentlichkeit mit wichtigen Gesundheitsinformationen über die Pandemie zu versorgen.
 
Welche Vision haben Sie für die Zukunft von Bisa?


Wir wollen die App in acht weiteren Ländern zur Verfügung stellen. Wir wollen das führende digitale Gesundheitsunternehmen in Afrika werden – um es jungen Menschen zu ermöglichen, über ihre Gesundheit zu sprechen, um jungen Frauen Zugang zu Informationen über sexuelle Gesundheit und Fortpflanzungsgesundheit zu verschaffen und um qualitativ hochwertige Beratung leisten zu können, wenn eine Pandemie droht. Außerdem arbeite ich mit einem der Studenten, Marco Miglietta, daran, ein Pilotprojekt zu starten, das Menschen Zugang zu Arzneimitteln über die Bisa-App ermöglicht. In Afrika sterben viele Menschen, weil sie gefälschte Arzneimittel zu sich genommen haben. Wir bei Bisa möchten den Menschen dabei helfen, nur authentische und geprüfte Arzneimittel zu verwenden, indem wir ihnen sagen, wo sie sie bekommen oder sogar indem wir sie liefern. Vielleicht werden wir ein kleines „Amazon für Arzneimittel“. Ich bin sehr gespannt!

 

 

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