Partnerschaft: Aufbau eines lokalen Forschungshubs für Infektionskrankheiten dort, wo er am dringendsten benötigt wird

Ausbrüche von Infektionskrankheiten und klimabedingte Gesundheitskrisen setzen die Gesundheitssysteme in Westafrika zunehmend unter Druck. Um die lokale wissenschaftliche Kapazität zu stärken und die Vorsorge zu verbessern, haben wir uns mit der Alexander von Humboldt-Stiftung zusammengeschlossen und den Bayer-Humboldt Research Hub – Center for Emerging and Re-emerging Infectious Diseases (HRH-CERID) gegründet.

Verbindung von Wissenschaftlern und Experten aus der ganzen Welt sowie Förderung der Zusammenarbeit auf der International Conference on Emerging and Re-emerging Infectious Diseases, Oktober 2025
 „Als HRH-CERID gegründet wurde, war es unsere Vision, die wissenschaftlichen Kapazitäten aufzubauen, die erforderlich sind, um Bedrohungen durch Infektionskrankheiten in der Region zu erkennen, zu überwachen und darauf zu reagieren. Fünf Jahre später haben wir gezeigt, dass diese Expertise vor Ort durch Investitionen in Menschen, Infrastruktur und Partnerschaften aufgebaut werden kann. Heute unterstützt der Hub nicht nur Forschung und Überwachung in Nigeria, sondern trägt auch zur regionalen und globalen wissenschaftlichen Zusammenarbeit bei.“
Prof. Dr. Olusola Ojurongbe, 
Leiter von HRH-CERID  

CERID-Mitarbeitende und Studierende

In ganz Westafrika stellen Infektionskrankheiten wie Malaria weiterhin erhebliche Herausforderungen für die öffentliche Gesundheit dar – von wiederkehrenden Ausbrüchen bis hin zu neu auftretenden Bedrohungen. Nach Angaben des Regionalen Zentrums für Überwachung und Seuchenkontrolle der Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten (ECOWAS) wurden in der Region allein im Jahr 2024 67 Ausbrüche neu auftretender und wiederkehrender Infektionskrankheiten verzeichnet, was das Ausmaß und die Dringlichkeit gesundheitlicher Notlagen verdeutlicht.

Diese Herausforderungen werden durch die Auswirkungen des Klimawandels zusätzlich verschärft. Überschwemmungen, Dürren und steigende Temperaturen begünstigen die Ausbreitung von Infektionskrankheiten und setzen bereits stark belastete Gesundheitssysteme zusätzlich unter Druck. Daher sind wirksame Krankheitsüberwachung und schnelle Reaktionsfähigkeit wichtiger denn je, um gefährdete Bevölkerungsgruppen zu schützen und die regionale Gesundheitssicherheit zu stärken.


Stärkung wissenschaftlicher Kapazitäten in Gemeinschaften, die am stärksten von Infektionskrankheiten betroffen sind

Im Jahr 2021 haben wir gemeinsam mit der Alexander von Humboldt-Stiftung die Einrichtung von HRH-CERID unter der Leitung von Prof. Olusola Ojurongbe an der Ladoke Akintola University of Technology (LAUTECH) in Ogbomoso, Nigeria, unterstützt, mit Forschungspartnern am Institut für Tropenmedizin, Universitätsklinikum Tübingen in Deutschland, und am Institute of Endemic Diseases, University of Khartoum im Sudan. Der Hub war von Anfang an als weit mehr als nur ein Labor gedacht: als Zentrum wissenschaftlicher Exzellenz, das Forschungskapazitäten direkt in den Gemeinschaften aufbaut, die am stärksten von Infektionskrankheiten betroffen sind. Anstatt sich bei gesundheitlichen Notlagen ausschließlich auf externe Expertise zu verlassen, setzte sich der Hub zum Ziel, die Infrastruktur, Kompetenzen und Partnerschaften zu entwickeln, die für lokal geleitete Forschung, Krankheitsüberwachung und Ausbruchsreaktion erforderlich sind. 

HRH-CERID untersucht die wichtigsten Gesundheitsbedrohungen der Region, darunter Malaria, Virusausbrüche, antimikrobielle Resistenzen und Krankheiten, die von Tieren auf Menschen übertragen werden können. Das Zentrum erforscht außerdem, wie der Klimawandel die Ausbreitung von Infektionskrankheiten und die öffentliche Gesundheit beeinflusst. Von Beginn an verfolgte HRH-CERID eine Reihe ehrgeiziger, aber zugleich praktischer Ziele: 

  • Aufbau genomischer Kapazitäten für Krankheitsüberwachung und schnelle Ausbruchsreaktion,
  • Förderung der Forschung zu infektiösen und nicht infektiösen Krankheiten,
  • Ausbildung der nächsten Generation von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Gesundheitsfachkräften und Laborspezialistinnen und -spezialisten,
  • Sicherstellung von Krankheitsüberwachung und Ausbruchserkennung durch genomische Einrichtungen,
  • Entwicklung von Biobank-Kapazitäten für Proben von Infektionskrankheiten.
     

Aufbau des Labors und Bewältigung von Herausforderungen
 

In den vergangenen fünf Jahren war der Fortschritt von HRH-CERID nicht einfach. Der Hub stand vor erheblichen Hindernissen, darunter Verzögerungen bei der Beschaffung von Geräten und Reagenzien, eine unzuverlässige Stromversorgung und geringe Vorkenntnisse in der Genomik unter den Studierenden. Politische Instabilität im Sudan beeinträchtigte zudem die Umsetzungspläne und verhinderte, dass dort ein Labor vollständig eingerichtet werden konnte.


Trotz dieser Herausforderungen entwickelte sich HRH-CERID weiter und konnte an der LAUTECH erfolgreich ein Genomiklabor einrichten, das mit fortschrittlichen Sequenzierungs- und molekulargenomischen Technologien, darunter Oxford Nanopore Technologies, ausgestattet ist. Darüber hinaus konzentriert sich das Zentrum auf den Aufbau einer Plattform für genomische Fähigkeiten und lokale Expertise, wissenschaftliche Ausbildung und lokal relevante Forschung zu Infektionskrankheiten.


Bis heute haben 121 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Postgraduierte an Ausbildungsprogrammen in Molekularbiologie und Bioinformatik bei HRH-CERID teilgenommen. Darüber hinaus hat HRH-CERID erheblich in die Entwicklung personeller Kapazitäten investiert, indem es die Ausbildung von sechs M.Sc.-Studierenden in Medizinischer Mikrobiologie und Parasitologie, einer M.Phil.-Studierenden in Biochemie und zwei PhD-Studierenden in Medizinischer Mikrobiologie und Parasitologie vollständig unterstützt hat. Das Projekt förderte außerdem die Entwicklung von Forschenden in frühen Karrierephasen durch fortgeschrittene technische Schulungen und die Vermittlung internationaler Forschungsaustauschmöglichkeiten in Deutschland.

HRH-CERID wird heute als genomikfähiges Labor innerhalb der LAUTECH anerkannt und ist Mitglied des National Genomic Sequencing Consortium von Nigeria. Mit dem Hub verbundene Forschende haben zu 18 begutachteten wissenschaftlichen Publikationen beigetragen. Eine ihrer neuesten Studien, die gemeinsam mit Forschenden des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie in Berlin durchgeführt wurde, erschien in Nature Communications, einer der weltweit führenden wissenschaftlichen Fachzeitschriften. Dies spiegelt sowohl die Qualität seiner Forschung in der Region als auch seinen wachsenden Beitrag zur globalen wissenschaftlichen Gemeinschaft wider.

Letztlich zeigt HRH-CERID, was erreicht werden kann, wenn wissenschaftliche Exzellenz lokal aufgebaut und nachhaltig gesichert wird. Durch Investitionen in Infrastruktur, Ausbildung und internationale Partnerschaften stärkt das Zentrum die Fähigkeit der Region, Bedrohungen durch Infektionskrankheiten zu erkennen und darauf zu reagieren, und befähigt zugleich eine neue Generation afrikanischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Lösungen für die gesundheitlichen Herausforderungen ihrer Gemeinschaften zu entwickeln. Sein Erfolg veranschaulicht, wie lokal geleitete Forschung nicht nur zur regionalen Gesundheitssicherheit, sondern auch zum globalen wissenschaftlichen Fortschritt beitragen kann.

Insgesamt steht HRH-CERID für weit mehr als nur ein erfolgreiches Projekt. Es zeigt, wie wissenschaftliche Kapazitäten lokal aufgebaut werden können und dadurch die Fähigkeit der Region gestärkt wird, Bedrohungen durch Infektionskrankheiten rechtzeitig zu erkennen und darauf zu reagieren. Durch Ausbildungs- und internationale Austauschmöglichkeiten befähigt das Zentrum zudem eine neue Generation afrikanischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Lösungen für die gesundheitlichen Herausforderungen in ihren eigenen Gemeinschaften zu entwickeln.