Transformation der afrikanischen Landwirtschaft durch Digitalisierung bäuerlicher Kleinbetriebe

Vetsark

Cynthia Mene, Director und COO von Vetsark, hat eine ehrgeizige Mission: Sie möchte die Landwirtschaft in Afrika verändern, indem sie kleinen Unternehmen bei der Digitalisierung hilft, derzeit in einem Land. Die aus Nigeria stammende Gründerin mehrerer Unternehmen ist es gewohnt, in großen Dimensionen zu denken. „In Nigeria herrscht ein starker Wettbewerb. Wenn Sie als junge Frau etwas unternehmen möchten, müssen Sie damit beginnen, sich selbst einen hohen Standard zu setzen. Denken Sie über eine Ehe mit Kindern hinaus, und stellen Sie sich den Einfluss vor, den Sie als Führungskraft in Ihrer Community ausüben möchten.“

 

 

Eine Unternehmerin in Nigeria zu sein bringt einige Herausforderungen mit sich. Wie in den meisten Entwicklungsländern ist die nigerianische Gesellschaft patriarchalisch geprägt, was zu geschlechtsspezifischen Benachteiligungen führt. Aber wie in den meisten Ländern ändert sich das langsam; Frauen lösen sich schrittweise von den Rollen, die ihnen traditionell zugewiesen wurden. Cynthia Mene beispielsweise war immer schon entschlossen, sich nicht durch die Grenzen ihrer Gesellschaft bestimmen zu lassen.

 

 

Interview

 

Wie kam es angesichts dieser Schwierigkeiten dazu, dass Sie Unternehmerin wurden?


„Ich habe meine unternehmerische Denkweise von meiner Mutter geerbt. Sie ist eine so starke Frau. Als mein Vater seine Stelle bei der Bank verlor, war es meine Mutter, die die Rolle als Hauptversorgerin übernahm. Sie begann, einen Supermarkt in Verbindung mit einem Brotlieferdienst zu betreiben. Dank ihrer Anstrengungen konnte meine Mutter mich zur Schule schicken. Als Kind habe ich ihr im Supermarkt geholfen, daher habe ich von ihr eine Menge Fähigkeiten gelernt. Als Teenager wurde ich zu meiner Tante geschickt, um meine Sekundarausbildung zu absolvieren. Meine Tante lebt in Umuahia im Bundesstaat Abia, der im östlichen Teil Nigerias liegt. Sie produziert Maniok in ihrem landwirtschaftlichen Betrieb, und ich habe auch ihr viel geholfen. Meine Tante und meine Mutter sind für mich zu wichtigen Vorbildern geworden. Sie haben mir geholfen, mich selbst anzuspornen und immer besser zu werden. Als ich an der Universität war, kam ich zu dem Schluss, dass es an der Zeit wäre, finanziell unabhängig zu werden- Also gründete ich mein eigenes Unternehmen für Flüssigseife und stellte fünf Mitarbeiter ein.“

 

 

Wie haben Sie es geschafft, von der Betreiberin eines Seifenunternehmens zur COO eines Unternehmens zu werden, das Kunden, zumeist Landwirten, bei der Digitalisierung ihrer Betriebe hilft?


„Meine Erfahrung in der Landwirtschaft beruht auf dem, was ich von meiner Tante gelernt habe. Als ich mein Studium abgeschlossen hatte, gründete ich im Dorf meines Ehemanns einen Betrieb zur Verarbeitung von Maniok, um den Frauen dort eine Möglichkeit zur Steigerung ihres Einkommens zu bieten. Dank eines Zuschusses konnte ich 500 Bäuerinnen in einer Kooperative organisieren. Das war eine großartige Lernerfahrung für mich. Mir wurde klar, dass ich noch viel mehr tun kann. Also habe ich in einem nächsten Schritt beschlossen, eine NGO zu gründen, die es jungen Menschen ermöglicht, Unternehmer zu werden. Die NGO heißt Inspire Africa for Global Impacts Initiative, und ich führe sie immer noch in Teilzeit.

 

Mein Mann, den ich an der Universität kennengelernt habe, gründete Vetsark, und auch wenn ich meine Tätigkeit dort offiziell erst im Jahr 2019 aufgenommen habe, war ich von Anfang an involviert.“

 

Können Sie erklären, womit sich Vetsark befasst?


„Vetsark unterstützt Agrarunternehmen in Afrika dabei, ihre Produktivität und ihr Einkommen durch die Digitalisierung ihres Geschäfts zu steigern. Wir nutzen Technologien der Datenwissenschaft, um Landwirte und Tierärzte bei der Digitalisierung ihrer täglichen klinischen Aufzeichnungen, der Bereitstellung von landwirtschaftlichen Dienstleistungen und der Gesundheitsversorgung von Tieren zu unterstützen. Dazu haben wir mehrere Online-Tools wie Farmgod und Vethro entwickelt.

 

Farmgod ist eine Management-App, die Landwirten dabei hilft, ihre Aufzeichnungen über die landwirtschaftliche Produktion und ihre Finanzen zu erfassen, zu verfolgen und zu analysieren. Vethro hingegen ist eine tiermedizinische Telemedizinplattform, die auf die Bedürfnisse von Haus- und Nutztierhaltern auf dem gesamten Kontinent eingeht.“

 

 

 

Cynthia Mene

Cynthia Mene

 

 

Welches Geschäftsmodell verfolgt Vetsark?


„Vetsark ist ein soziales Unternehmen. Die Benutzer unserer Plattform zahlen eine Abonnementgebühr. Derzeit haben wir über 3.000 Benutzer von Farmgod. Bis 2025 wollen wir mindestens 100.000 Benutzer haben. Wir können dies erreichen, indem wir strategische Partnerschaften mit großen NGOs und multilateralen Organisationen wie der Weltbank aufbauen. Sie finanzieren und implementieren landwirtschaftliche Projekte, und wir könnten mit unseren Softwaretools ihre Landwirte erreichen. Gleichzeitig bedienen wir große Kunden wie das Landwirtschaftsministerium. Wir haben für das Ministerium ein maßgeschneidertes Softwarepaket zur Einrichtung eines nationalen Meldesystems für Krankheiten entwickelt.“

 

 

Sie gehören zu den fünf Gewinnerinnen des Women Empowerment Award. Was bedeutet der Gewinn dieses Preises für Sie?


„Diese Auszeichnung ist der erste bedeutende Preis, den wir in diesem Jahr gewonnen haben. Der Gewinn dieses Preises bestärkt uns darin, dass unser Traum berechtigt ist und wir auf dem richtigen Weg sind. Das Preisgeld wird Vetsark helfen, seine Arbeit auszuweiten und das Team aufzubauen.

 

 

About the Women Empowerment Award

 

Mit dem Women Empowerment Award will die Bayer Foundation Frauen als wichtige Entscheidungsträgerinnen stärken und Unternehmerinnen dabei unterstützen, in Afrika südlich der Sahara gesellschaftliche Wirkung zu erzielen. Mit diesem Preis bietet die Bayer-Stiftung eine Partnerschaft an, die weit über einen einmaligen Geldpreis hinausgeht. Der Preis umfasst 25.000 Euro sowie eine Sachleistung in Höhe von 25.000 Euro in Form eines 24-wöchigen Wachstumsbeschleunigers.


Während dieses Zeitraums erhalten die Gewinnerinnen maßgeschneiderte Unterstützung und Schulungen für die Skalierung, einschließlich eines aktiven Feedbacks von Investoren. Darüber hinaus können sie auf ein umfangreiches Netzwerk von Bayer-Experten zurückgreifen, die Coaching in den Bereichen Gesundheit und Ernährung sowie nachhaltige Landwirtschaft anbieten. Nicht zuletzt werden alle Gewinnerinnen Teil des außergewöhnlichen globalen Alumni- und Partnernetzwerks der Bayer-Stiftung, das ihnen die Möglichkeit bietet, Kapital zu beschaffen und sich über die gesammelten Erfahrungen auszutauschen.
 
Durch die Unterstützung von Unternehmerinnen mit bahnbrechenden Ideen würdigt die Bayer-Stiftung insbesondere deren Rolle als Vorreiterinnen, die durch unternehmerische Innovation Nachhaltigkeit und soziale Wirkung vorantreiben.